logo-j-a-trans

Veranstaltungen 2001

Für mehr Information bitte auf die Daten klicken.

25. März 2001 - Vortrag und Brunch, Düsseldorf

Vortrag:

"Familiär gehäuftes Auftreten von Tumorerkrankungen bei ashkenasischen Jüdinnen"

Ein klassisches Beispiel für das familiär gehäufte Auftreten von Tumorerkrankungen insbesondere in der Gruppe der ashkenasischen Jüdinnen ist Brust- und Eierstockskrebs. Brustkrebs ist mit 47000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland die häufigste Tumorerkrankung der Frau überhaupt. Nur 5 bis maximal 10% aller Brustkrebserkrankungen können hierbei auf erbliche Faktoren zurückgeführt werden, wobei ca. die Hälfte aller erblichen Fälle durch die beiden Brustkrensgene BRCA1 und BRCA2 (Breast cancer gene 1 und 2) verursacht werden. Die Entdeckung dieser Gene in den Jahren 1994 und 1995 beruhte u.a. wesentlich auf der Möglichkeit zur Untersuchung großer Familien ashkenasischer Herkunft mit vielen Betroffenen, was allerdings zunächst zu einer höheren Risikoeinschätzung einer derartigen Genveränderung (Genmutation) führte. Neue gendiagnostische Untersuchungsmethoden erlauben heute neben einer zunehmend kürzeren Untersuchungszeit von 3-6 Monaten die Beschreibung der vielfältigen BRCA-Genveränderungen mit geringerem Erkrankungsrisiko oder aus kleineren Familien. Hinweisend auf eine erbliche Ursache einer Tumorerkrankung ist das Auftreten der Krebserkrankung im jungen Lebensalter oder bei mindestens zwei jung Erkrankten in einer Familie. Das Erkrankungsrisiko für eine Angehörige mit nachgewiesener BRCA-Genmutation liegt nach aktuellem Erkenntnisstand zwischen 55 und 85% für eine Brustkrebserkrankung und zwischen 25-45% für eine Eierstockskrebserkrankung jeweils bis zum 75. Lebensjahr. Bei etwa 3% aller Ashkenasim werden Mutationen im BRCA1 und BRCA2-Gen gefunden wobei es sich um 3 häufig wiederkehrende sogenannte "Foundermutationen" handelt deren Ursprung auf eine Zeitpunkt vor Christi Geburt datiert wird. Eine Untersuchung dieser 3 häufigsten Mutationen deckt über 80% der BRCA-Mutationen in der ashkenasichen Bevölkerung auf und kann daher als Screening erfolgen. Bei dem derzeitigen Bevölkerungsanteil von ca. 83000 ashkenasischen Juden in Deutschland ist mit einer Die psychologischen und medizinischen Konsequenzen eines solchen Gentestes werden im Rahmen einer ausführlichen Beratung vor der Durchführung besprochen. Bei Vorliegen einer Genmutation bei einer noch nicht erkrankten Ratsuchenden wird neben der Empfehlung einer intensivierten Früherkennung mit regelmäßigen halbjährlichen Mamma-Sonografien, jährlichen Mammografien und ggf. Kernspintomografien sowie halbjährlichen Ultraschalluntersuchungen der Eierstöcke die Möglichkeiten der medikamentösen Vorsorge durch Antihormone in Studien und die Möglichkeiten der prophylaktischen Operationen angesprochen. Hierbei kommt prinzipiell die beidseitige Brustdrüsenentfernung mit Sofortrekonstruktion und/oder Eierstockentfernung in Frage, da hierdurch signifikant das Auftreten der Erkrankung um ca. 90-95% reduziert werden kann. Für weibliche Mitglieder einer Familie mit nachgewiesener Genmutation die selbst diese Mutation nicht geerbt haben (Wahrscheinlichkeit für jeden Nachkommen jeweils 50%) besteht das normale Risiko von etwa 10% im Laufe des Lebens an Brust- und von etwa 2% an Eierstockskrebs zu erkranken, womit eine deutliche u.a. psychologische Entlastung erreicht werden kann. Angehörige aus Familien in denen gehäuft Tumorerkrankungen aufgetreten sind, in denen aber keine Genmutation gefunden wurde, tragen ein erhöhtes Risiko, dem durch intensivierte Früherkennung begegnet werden sollte. Die Motivation zu einer derartigen Genuntersuchung wurde von ashkenasischen Frauen in der Reihenfolge: Unterstützung der Forschung, Unterstützung der jüdischen Gemeinschaft, eventuelle eigene Entlastung durch negativen Gentest sowie Neugier angegeben. Damit wird ein Ergebnis psychologischer Untersuchungen bestätigt, nämlich dass nicht die Furcht vor einem erwarteten Leiden unausweichlich ist, sondern dass im Gentest auch die Möglichkeit zu einem konkreten Umgang mit dieser Furcht oder gar einer Entlastung vor der Furcht gegeben ist.

6. Mai 2001 - Vortrag und Brunch, Köln

Vortrag:

"Zwischen Leben und Tod - Aspekte der jüdischen Medizinethik"

Die rasante Entwicklung der biotechnologischen und medizinischen Wissenschaften in den letzten Jahren hat zu einer moralischen Krise der modernen Medizin geführt. Über die so grundlegende Frage, wann ein Mensch tot ist, wird heute ebenso heftig debattiert wie über die Frage, wann menschliches Leben beginnt. Problemkomplexe wie Abtreibung, Organtransplantation oder Sterbehilfe beschäftigen in regelmässigen Abständen zwar immer wieder die Laienpresse, eine wirklich breite öffentliche Auseinandersetzung mit diesen Themen aber hat kaum stattgefunden.
Der Refernt möchte mit seinem Vortrag einige, ganz grundlegende Argumente aus Sicht der jüdischen Medizinethik in die so notwendig erscheinende Diskussion einbringen. Er zeigt dabei auf, wie es das System der jüdischen Medizinethik auf oft erstaunliche Weise versteht, abgeleitet aus alten Quellen modernste Fragestellungen anzugehen und bemerkenswerte Lösungsvorschläge zu präsentieren. Im Zentrum wird dabei der Themenkomplex Organtransplatation/Definition des Todes/Hirntod stehen.

Referent:

Yves Nordmann wurde 1974 in Basel geboren. Studium der Medizin in Basel, Paris und New York von 1993-1999. 1998 Dissertation über die medizinisch-ethische Vertretbarkeit der Hirntodkonzeption. 1999/2000 (2. Auflage) Buchpublikation: "Zwischen Leben und Tod-Aspekte der jüdischen Medizinethik" (Verlag Peter Lang, Bern). Zahlreiche Vorträge über verschiedenste Gebiete der jüdischen Medizinethik. Seit 2000 in Ausbildung zum Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin in der Schweiz.